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The Dart Side of Life - Die Adrian Geiler Kolumne #11: World Matchplay 2026: Vier BULL'S-Spieler träumen vom Coup in Blackpool

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Der World Matchplay ist das Highlight des Darts-Sommers – und 2026 gehen gleich vier BULL'S-Profis in Blackpool an den Start. Jermaine Wattimena, Martin Schindler, Krzysztof Ratajski und Debütant Niko Springer stehen allesamt vor anspruchsvollen Auftaktaufgaben, bringen aber auch berechtigte Hoffnungen auf einen tiefen Turnierlauf mit. Adrian Geiler analysiert ihre Chancen, blickt auf die Auslosung und erklärt, warum einer von ihnen in diesem Jahr für die große Überraschung sorgen könnte.

Hallo liebe Dartsfreunde,

es ist Sommer! In der Dartswelt heißt das: World Matchplay. Nach der WM ist das Majorturnier im epischen, golden verkleideten Empress Ballroom des Winter Gardens von Blackpool das zweitälteste, -wichtigste und -lukrativste Turnier des Jahres. Eine Million Pfund sind im Pot, so viel wie noch nie. Der Preisgelderhöhung der PDC sei Dank.

Auch vier BULL’S-Spieler haben sich für das Sommerhighlight des Darts qualifiziert. Keiner von ihnen ist gesetzt, das heißt, es gibt knackige Lose. Und die schauen wir uns mal genauer an.

Jermaine Wattimena (vs. James Wade)

Letztes Jahr war es endlich so weit für „The Machine Gun“. Der Niederländer hat im fünften Anlauf endlich sein erstes Spiel beim World Matchplay gewonnen. Gegen einen ordentlichen Peter Wright hieß es am Ende 10:8 für Jermaine. In Runde 2 war er nicht weit weg von einer Sensation! Jermaine zwang niemand geringeren als Luke Littler in die Verlängerung (11:13). Und das war eher glücklich für den späteren Champion, denn Jermaine hatte bereits 7:2 geführt.

Dieses Jahr ist die Nummer 17 der Welt am weitesten entfernt vom Titelverteidiger Luke Littler und ganz unten im Turnierbaum. Sein Kontrahent war lange ein echter Angstgegner für Jermaine: James Wade. Der zweimalige Sieger des World Matchplays (seit 2006 bei jeder Ausgabe dabei) hatte von den ersten acht Spielen gegen Jermaine sieben gewonnen. Doch mittlerweile dreht sich der Wind: Wattimena ist seit vier Jahren ungeschlagen gegen Wade (vier Spiele). Das und die starke Generalprobe in Leverkusen mit dem ersten Finaleinzug auf der EuropeanTour müssen Selbstvertrauen geben.

In der Runde danach warten Ryan Searle oder William O’Connor, dann könnte einer der jungen Niederländer Gian van Veen oder Wessel Nijman warten – erst dann kommt einer der Lukes mit Luke Humphries. Diese Ausgangslage und die Form von Jermaine machen ihn zu einem Dark Horse für das World Matchplay.

Martin Schindler (vs. Gerwyn Price)

Die deutsche Nummer 1 trifft im Duell der Fragezeichen auf Gerwyn Price. An den Iceman hat „The Wall“ gute und schlechte Erinnerungen. Den Großteil der Aufeinandertreffen (16 von 22) hat der Waliser gewonnen. Aber der letzte Sieg von Schindler war der Startschuss für die erfolgreichste Phase seiner Karriere. In Riesa hat Schindler gegen Price im Endspiel seinen ersten Profititel geholt und sich zur deutschen Nummer 1 gemacht. Diesen Titel hat er seit diesem 14.

April inne. Und drei weitere Turniersiege später ist Schindler auch der erfolgreichste deutsche Dartsspieler aller Zeiten.

Vielleicht braucht Martin wieder so einen Startschuss gegen Price, einen Kickstarter für seine Karriere. Denn die Saison 2026 ist kompliziert, starke Leistungen (back-to-back Viertelfinals auf der EuropeanTour, Halbfinale auf dem Floor, bester Average aller Spieler beim World Cup) wechseln sich mit schwachen Auftritten ab (66er Average zu Saisonbeginn, erstmals seit fast 10 Jahren unter 80 auf der EuropeanTour, 15mal ohne Preisgeld bei 32 ProTour-Turnieren). Woran das liegt, weiß nur Martin selbst. Ich vermute, dass er sich zu viel Druck macht, die letzten Jahre zu bestätigen – und dabei verkrampft. Vielleicht will er es gerade zu sehr.

Ausgerechnet in dieser komplizierten Phase geht es zum World Matchplay, wo Martin bei vier Teilnahmen noch nie gewonnen hat. Der erste Sieg in Blackpool, ausgerechnet gegen Price, kann der dringend benötigte Befreiungsschlag werden. Ein Sieg, der Martin zeigt: Du bist gut genug. Es wäre ihm von Herzen zu wünschen.

Krzysztof Ratajski (vs. Gian van Veen)

Ach, wie schön muss es aktuell sein, ein polnischer Dartsfan zu sein. Der Sport boomt, es gibt endlich eine ambitionierte TV-Übertragung – und einen Vorzeigespieler in Krzysztof Ratajski. Am Wochenende, bei der Generalprobe in Leverkusen, gewinnt der „Polish Eagle“ und holt seinen dritten EuropeanTour-Titel und seinen zwölften (!) PDC-Titel insgesamt. In seinem Windschatten reift mit Sebastian Bialecki ein Supertalent heran, für den das World Matchplay dieses Jahr noch zu früh kommt.

Ratajski hatte seine Formdelle (die gesundheitlichen Problemen geschuldet war) hinter sich und peilt die Rückkehr in die Top16 an. Dafür muss er erstmal den Vizeweltmeister Gian van Veen aus dem Weg räumen, was er in Leverkusen eindrucksvoll geschafft hat. Das war sein zweiter Sieg im vierten Spiel gegen den Niederländer.

Das World Matchplay kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt für den Polen: ein Titel im Rücken. Ein Gegner, der nicht brutal in Form ist und den er zuletzt geschlagen hat. Und ein Turnier, an das er gute Erinnerungen hat. 2021 fliegt der Polish Eagle nach Siegen über Brendan Dolan, Luke Humphries und Callan Rydz bis ins Halbfinale, wo ihn der damalige Titelverteidiger Dimitri van den Bergh stoppt.

Ein ähnlicher Run ist Ratajski auch dieses Jahr zuzutrauen.

Niko Springer (vs. Luke Littler)

Bleibt nur noch einer: Der Meenzer Bub. Niko Springer feiert sein Debüt beim World Matchplay und bekommt es direkt mal mit dem Titelverteidiger zu tun,

Luke Littler. Das ist nicht nur für mich DAS Spiel der ersten Runde. Und es hat das Potenzial für Niko, der Dartswelt zu zeigen, was in ihm steckt.

Natürlich ist er der klare Außenseiter. Natürlich erwartet jeder, dass Luke Littler das Spiel gewinnt. Aber das Großartige an Sport ist die Unvorhersehbarkeit. Es gibt immer eine Chance, insbesondere im Darts. Beim einzigen Aufeinandertreffen auf dem Floor 2025 hat Niko nicht viel zum Sieg gefehlt.

Luke Littler hat dieses Jahr gerade einmal vier (!) Rankingturniere gespielt – und drei (!) davon gewonnen. Dazu gab es die Titel in der PremierLeague und im Duo mit Luke Humphries beim World Cup of Darts. Der Career Grand Slam ist dieses Jahr möglich, ein Clean Sweep (alle Majorturniere in einem Jahr zu gewinnen) auch. Der letzte Rankingauftritt ist jedoch vier Monate her. Ist das eine zu lange Pause? Oder kriegt das Wunderkind das alles wieder einmal gebacken?

Niko scheint rechtzeitig wieder zu seinem Spiel gefunden zu haben. Der WM-Schock ist endgültig verdaut. Zwar gab es bei der Generalprobe in Leverkusen an seinem Geburtstag die erste Niederlage an einem EuropeanTour-Samstag. Aber seine Leistungen (zweimal 100+) machen Mut.

Machen wir uns nichts vor: Das kann trotzdem ein 3:10 werden. Uns könnte aber auch am ersten Turniertag des World Matchplays 2026 eine deutsche Dartssternstunde blühen. Und dann ist alles möglich. Denn wer die Nummer 1 der Setzliste bezwingt – für den öffnet sich das Turnier.


Ein Wort noch zu den Frauen. Das Women’s World Matchplay findet am Finaltag der Herren statt. Alles deutet auf Beau Greaves als Siegerin hin. Aber letztes Jahr hat Lisa Ashton sie überrascht und geht deswegen als Titelträgerin ins Rennen. Leider hat die BULL’S-Spielerin Trina Gulliver die Qualifikation knapp verpasst. Der Formaufschwung kam für das „Golden Girl“ zu spät. Vielleicht gibt es nächstes Jahr das Debüt für die zehnmalige Weltmeisterin.

Und dann wird wahrscheinlich ein alter Bekannter bei den Männern zurückkehren: BULL’S-Spieler Cristo Reyes hat beim Players Championship Turnier Nummer 23 sein erstes Profifinale erreicht und spielt, als wäre er nie weggewesen. „The Spartan“ war zuletzt 2017 dabei. Zehn Jahre später, 2027, könnte er sein Comeback feiern.

Zum Abschluss noch ein Fun Fact: Wer war der bislang beste BULL’S-Spieler in Blackpool? Die Antwort lautet: Mensur Suljovic. Der langjährige BULL’S-Spieler hat 2018 das legendärste Finale der Turnierhistorie bestritten – und erst in der Verlängerung gegen Gary Anderson verloren. Vielleicht geht einer aus dem BULL’S-Quartett in diesem Jahr einen Schritt weiter.

Game on,

euer Adrian